Wenn fahrerlose Transportsysteme und robotische Fahrzeuge einen Teil der Kommissionierung übernehmen, verändert sich die Rolle des Lagerpersonals spürbar: Statt reiner Lauf- und Hebearbeit rücken Entscheidungsfähigkeit, Umgang mit Mischprozessen und die Steuerung von Ausnahmefällen in den Vordergrund. Studien zeigen zudem, dass Beschäftigte zufriedener und selbstständiger arbeiten, wenn sie Aufgaben innerhalb dieser Systeme selbst priorisieren können, statt sie starr zugewiesen zu bekommen. Gleichzeitig verändern sich körperliche Belastungsmuster: Ware-zum-Mann-Systeme reduzieren Zwangshaltungen, während bei mobilen Robotersystemen weiterhin Heben, Bücken und Strecken anfällt. Für Lagerleiter bedeutet das ein neues Anforderungsprofil, in dem technisches Verständnis, Belastbarkeit unter wechselndem Arbeitsaufkommen und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit automatisierten Einheiten zunehmend über Effizienz und Zufriedenheit im Betrieb entscheiden.

Automatisierung im Lager – aber wer bedient die Systeme?

Ob Goods-to-Person, Cobots oder klassische Kommissionierung per Scanner: Wir vermitteln Lagerpersonal aus Polen und Osteuropa, das sich schnell in neue Systeme einarbeitet.

Jetzt Personal anfragen

Wenn Roboter und Mitarbeiter Seite an Seite arbeiten

Auf modernen Lagerflächen bewegen sich autonome mobile Roboter (AMR) heute selbstständig zwischen Regalreihen, Kommissionierstationen und Verladerampen. Anders als klassische fahrerlose Transportsysteme folgen sie keiner festen Spur, sondern navigieren per Sensorik und Karten durch veränderliche Umgebungen. Für den Mitarbeiter bedeutet das: Der Roboter bringt die Ware zur Person, nicht umgekehrt – das Prinzip „Goods-to-Person” ersetzt an vielen Stationen das Laufen durch die Gänge.

Cobots, also kollaborative Roboterarme, übernehmen zusätzlich Teilschritte wie das Anheben schwerer Behälter oder das Sortieren nach Zielort. Die Kommissionierkraft bleibt dabei die Instanz, die Endkontrolle, Sonderfälle und Ausnahmen behandelt. Diese Aufteilung verändert den Rhythmus des Arbeitstages spürbar: Statt durchgehender Wegezeiten entstehen kurze, getaktete Übergaben zwischen Mensch und Maschine. Wer an einer solchen Station arbeitet, wechselt mehrmals pro Stunde zwischen Warten, Prüfen und aktivem Zugriff.

Wie verändert sich der Griff ins Regal durch Pick-by-Voice und Co.?

Sprachgesteuerte Systeme geben dem Mitarbeiter Anweisungen über ein Headset, während beide Hände frei bleiben für den eigentlichen Griff. Pick-by-Light-Systeme markieren stattdessen mit Leuchtanzeigen direkt am Regalfach, welche Menge zu entnehmen ist – die Bestätigung erfolgt meist per Knopfdruck am selben Fach. Pick-by-Vision nutzt Datenbrillen, die Positionsangaben und Artikelinformationen direkt ins Sichtfeld einblenden, sodass der Blick nicht mehr zum Papierbeleg oder Scanner wandern muss. Alle drei Varianten verändern die Handbewegung selbst kaum, verschieben aber die Aufmerksamkeit weg vom Suchen und hin zum reinen Ausführen. In der Praxis heißt das: Die Entscheidung, wo ein Artikel liegt, trifft das System, der Mitarbeiter konzentriert sich auf Griff, Zählung und Ablage. Bei Pick-by-Vision entfällt zusätzlich der Wechsel zwischen Beleg und Regal, was den Bewegungsablauf pro Kommissionierauftrag glättet.

Der eigentliche Arbeitsablauf verändert sich durch das Zusammenspiel dieser Assistenzsysteme mit den Fahrzeugen im Gang. Kommt ein AMR mit einer neuen Behälterladung an, signalisiert das System dem Mitarbeiter über Licht, Ton oder Anzeige, dass eine Übergabe ansteht. Zwischen zwei Übergaben liegen oft nur wenige Handgriffe, wodurch sich viele kleine Zyklen statt weniger langer Kommissionierrouten ergeben. Diese Taktung verlangt eine andere Aufmerksamkeitsverteilung als das freie Laufen durch ein klassisches Lager, bei dem der Mitarbeiter selbst über Reihenfolge und Tempo entscheidet.

Wo verlaufen die Sicherheitsgrenzen zwischen Mensch und Fahrzeug?

Damit Mitarbeiter und Roboter im selben Gang arbeiten können, sind Sicherheitszonen um jedes Fahrzeug herum softwareseitig definiert. Laserscanner und Kamerasysteme am AMR erkennen Personen im Warnfeld und lösen zunächst eine Tempodrosselung aus, bevor bei weiterer Annäherung ein vollständiger Stopp folgt. Diese Zonen sind nicht starr, sondern passen sich der Fahrgeschwindigkeit an – bei höherem Tempo vergrößert sich der Abstand, ab dem das Fahrzeug reagiert.

Für den Mitarbeiter bedeutet das im Alltag, dass er sich nicht mehr aktiv um Ausweichmanöver kümmern muss, wie es beim Gegenverkehr mit einem klassischen Gabelstapler nötig wäre. Gleichzeitig verlangt diese Automatik Vertrauen in die Sensorik und ein Grundverständnis dafür, in welchen Bereichen ein Fahrzeug tatsächlich anhält und wo nicht. An Übergabepunkten, etwa direkt an der Kommissionierstation, sind die Sicherheitsabstände enger definiert als in freien Fahrgassen, weil hier Mensch und Fahrzeug regelmäßig aufeinandertreffen.

Welche Fähigkeiten jetzt wirklich gefragt sind

Erfahrener Lagermitarbeiter zeigt Kollegen am Terminal die Fehlerdiagnose – digitale Kompetenz bei modernen Kommissioniersystemen

Die Bedienung von Terminals, Handscannern und Dashboards gehört mittlerweile zum Grundhandwerk jeder Kommissionierstelle. Wer eine Fehlermeldung nicht selbst lesen und einordnen kann, blockiert nicht nur die eigene Station, sondern oft auch nachgelagerte Prozessschritte. Diese digitale Grundfertigkeit unterscheidet sich deutlich von der reinen Handhabungsroutine früherer Lagerarbeit.

Systemstörungen treten in getakteten Abläufen unregelmäßig, aber regelmäßig genug auf, dass ein Umgang damit zur Kernkompetenz wird. Bleibt eine Übergabestation ohne Signal, muss der Mitarbeiter entscheiden, ob ein Neustart der Anzeige ausreicht oder ob ein technischer Support gerufen werden muss. Diese Einschätzung verlangt ein Grundverständnis dafür, welche Fehlerbilder harmlos sind und welche auf einen tieferliegenden Defekt hindeuten. Wer hier zu früh eskaliert, bindet unnötig Technikerkapazität; wer zu spät reagiert, lässt einen ganzen Kommissionierbereich stillstehen. Diese Fehlerdiagnose auf erster Stufe war in klassischen, rein manuellen Lagern kaum gefordert, weil dort schlicht weniger technische Schnittstellen existierten. Genau deshalb verschiebt sich die Erwartungshaltung an neue Mitarbeiter: Nicht mehr nur Handgriffe zählen, sondern auch die Fähigkeit, ein System zu „lesen”.

Schulungskonzepte müssen diesem Wandel folgen, laufen in der Praxis aber oft parallel zum laufenden Betrieb statt vorab abgeschlossen. Neue Mitarbeiter lernen die Software-Oberfläche meist direkt an der Station, begleitet von einem erfahrenen Kollegen, der typische Fehlerfälle live demonstriert. Diese Form des Lernens am Objekt ersetzt zunehmend klassische Klassenraum-Schulungen, weil sich Softwareversionen und Bedienlogiken zu häufig ändern, um sie in einem starren Curriculum abzubilden.

Für den einzelnen Mitarbeiter bedeutet das eine dauerhafte Lernbereitschaft statt eines einmaligen Einarbeitungsprozesses. Flexibilität zeigt sich hier sehr konkret: Wer sich innerhalb weniger Monate auf ein neues Pick-by-Vision-Update oder eine geänderte Bedienlogik am AMR-Terminal einstellen muss, braucht eine andere Grundhaltung als jemand, der über Jahre dieselbe Regalreihe abläuft. Soft Skills wie Geduld und Ruhe unter Zeitdruck spielen dabei eine größere Rolle, weil Systemausfälle selten angekündigt kommen und die Kommissionierkraft die Lücke im Moment selbst überbrücken muss.

Wer stattdessen starr an gewohnten Abläufen festhält, gerät in Mischumgebungen aus Mensch und Maschine schnell an seine Grenzen. Diese Anpassungsfähigkeit wird in Bewerbungsgesprächen mittlerweile gezielt abgefragt, oft über konkrete Fallbeispiele aus früheren Tätigkeiten. Damit verschiebt sich auch das Anforderungsprofil bei der Personalauswahl weg von reiner körperlicher Belastbarkeit hin zu kognitiver Flexibilität. Wer heute passende Kommissionierer für solche Systeme sucht, muss deshalb gezielter auswählen als früher – nicht nach Erfahrung allein, sondern nach Lernbereitschaft und technischem Grundverständnis.

Körperliche Belastung: Was sich für die Beschäftigten ändert

Wo AGVs die Behälter selbst zur Station bringen, entfällt für den Mitarbeiter das Tragen über Distanz komplett. Waren-zum-Mitarbeiter-Systeme heben zusätzlich den Zugriffspunkt auf eine feste Höhe, wodurch das Bücken in untere Regalfächer und das Strecken nach oben liegenden Fächern wegfällt. Bei mobilen Robotersystemen, die Behälter nur antransportieren, bleibt dagegen ein Teil dieser Belastung bestehen, weil der Zugriff auf das Fach selbst weiterhin manuell erfolgt.

Der Unterschied zeigt sich vor allem im Rücken- und Schulterbereich: Wiederholtes Bücken über eine Schicht hinweg summiert sich zu einer Belastung, die bei fest positionierten Zugriffshöhen schlicht nicht mehr auftritt. Gleichzeitig verschiebt sich das Muster der Beanspruchung von großflächigen Bewegungen hin zu kurzen, sich wiederholenden Handgriffen im selben Radius. Diese Wiederholung betrifft vor allem Handgelenke und Unterarme, weil derselbe Griff über hunderte Male pro Schicht ausgeführt wird. Für ältere Mitarbeiter oder Kollegen mit Vorbelastungen im Rückenbereich verändert sich damit das Risikoprofil grundlegend, auch wenn die absolute Belastung insgesamt sinkt.

An die Stelle körperlicher Erschöpfung tritt bei stationären Kommissionierplätzen zunehmend eine geistige Ermüdung durch Monotonie. Wer stundenlang an derselben Station sitzt oder steht und denselben Handgriff wiederholt, verliert die Abwechslung, die früheres Umherlaufen im Lager automatisch mit sich brachte. Sitzarbeit an Kommissionierstationen bringt zudem eine neue Form der Belastung mit sich, weil längeres Sitzen in gebeugter Haltung die Wirbelsäule anders beansprucht als abwechselndes Gehen und Stehen. Diese Monotoniebelastung wirkt sich messbar auf die Aufmerksamkeit aus, besonders in den letzten Schichtstunden.

Ergonomische Nachrüstungen setzen genau an diesen neuen Belastungspunkten an. Höhenverstellbare Arbeitsplatten passen die Zugriffshöhe an die jeweilige Körpergröße an, statt eine einheitliche Standardhöhe für alle Mitarbeiter vorzugeben. Anti-Ermüdungsmatten reduzieren die Belastung der Fußgelenke bei stehender Tätigkeit an festen Stationen, während verstellbare Sitz-Steh-Hocker den Wechsel zwischen beiden Haltungen innerhalb derselben Schicht ermöglichen. Rotationspläne zwischen Stationen mit unterschiedlicher Körperhaltung wirken der Monotoniebelastung entgegen, ohne dass dafür die Taktzeiten der einzelnen Station verändert werden müssen. Solche Rotationen verlangen allerdings eine Personaleinsatzplanung, die Haltungsarten und nicht nur Qualifikationen berücksichtigt.

Getaktete Vorgaben und digitale Leistungsüberwachung erzeugen eine psychische Beanspruchung, die sich von körperlicher Erschöpfung deutlich unterscheidet. Ein Mitarbeiter, dessen Griffzeiten pro Auftrag automatisch erfasst und ausgewertet werden, arbeitet unter einem Druck, der bei klassischer, unbeobachteter Regalarbeit so nicht bestand. Dieser Effekt verstärkt sich, wenn die Taktvorgabe keinen Spielraum für kurze Erholungsmomente zwischen zwei Übergaben lässt.

Was Unternehmen bei der Umstellung beachten sollten

Die Einführung eines Kommissioniersystems scheitert selten an der Technik selbst, sondern an der Reihenfolge der Schritte. Wer AMR-Flotten oder Pick-by-Vision-Terminals ausrollt, ohne die Belegschaft vorher in die Planung einzubeziehen, erzeugt Widerstand, der sich später nur schwer wieder abbauen lässt.

Ein Pilotbereich mit einer begrenzten Anzahl an Stationen liefert belastbarere Erkenntnisse als ein sofortiger Vollausrollout über das gesamte Lager. In diesem Testfeld lassen sich Fehlerraten, Übergabezeiten und Akzeptanzprobleme unter realen Bedingungen beobachten, bevor Folgeinvestitionen freigegeben werden. Mitarbeiter aus genau diesem Pilotbereich sollten dabei nicht nur getestet, sondern aktiv nach Verbesserungsvorschlägen gefragt werden, weil sie Reibungspunkte im Tagesgeschäft oft früher erkennen als das Projektteam.

Ein betrieblicher Übergangsausschuss aus Schichtleitung, Betriebsrat und IT kann diese Rückmeldungen bündeln und verhindert, dass Entscheidungen ausschließlich top-down getroffen werden. Bei der Kosten-Nutzen-Abwägung reicht ein reiner Blick auf die Anschaffungskosten der Fahrzeuge oder Terminals nicht aus; Schulungszeiten, Wartungsverträge und die Anpassung bestehender Regalsysteme gehören in dieselbe Rechnung. Wer den zusätzlichen Personalbedarf für Pilotphase und Rollout nicht allein aus dem Stammteam decken kann, findet über eine spezialisierte Personalvermittlung für die gesamte Lagerlogistik kurzfristig einsetzbares, eingearbeitetes Zusatzpersonal.

Langfristig zahlt sich zudem eine Personalentwicklung aus, die nicht nur auf die Bedienung des neuen Systems zielt, sondern auch Nachqualifizierungspfade für Mitarbeiter öffnet, deren bisherige Tätigkeit durch Automatisierung wegfällt. Interne Umschulungsprogramme zu Techniker- oder Koordinatorenrollen binden erfahrenes Personal an das Unternehmen, statt es durch die Umstellung zu verlieren. Wer diese Pfade erst nach Abschluss der technischen Einführung plant, verliert genau die Mitarbeiter, deren Erfahrungswissen für den stabilen Betrieb am wertvollsten wäre.

Sie stellen Ihre Kommissionierung auf neue Systeme um und brauchen kurzfristig eingearbeitetes Personal für Pilotphase oder Rollout? Wir vermitteln passende Lagerkräfte aus Polen und Osteuropa – flexibel und schnell verfügbar.

Vorheriger Artikel Staplerfahrer mit gültigem Staplerschein für den Lagereinsatz finden Staplerfahrer mit gültigem Staplerschein für den Lagereinsatz finden
Nächster Artikel So gelingt die Personalvermittlung für Ingenieure aus dem Ausland So gelingt die Personalvermittlung für Ingenieure aus dem Ausland