Im März 2026 blieben in Deutschland rund 357.000 offene Stellen rechnerisch unbesetzbar, weil für sie schlicht keine passend qualifizierten Arbeitskräfte auf dem Markt waren. Immer mehr Betriebe erweitern deshalb den Suchradius über die Landesgrenze hinaus. Wie eine solche Vermittlung tatsächlich abläuft, welche Schritte in welcher Reihenfolge anstehen und wo die Unterschiede zwischen EU und Drittstaaten liegen, zeigt dieser Überblick.
Warum Betriebe im Ausland suchen
Die Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft zeichnen ein Bild, das sich mit reiner Konjunkturschwäche nicht erklären lässt. Zwar sank die Zahl offener Stellen im März 2026 gegenüber dem Vorjahr, gleichzeitig stieg die Zahl qualifizierter Arbeitsloser – und dennoch blieb die Stellenbesetzung für Unternehmen ähnlich schwierig wie zuvor. Der Grund liegt in der Passung: Wer gesucht wird und wer verfügbar ist, deckt sich in vielen Berufen nicht.
Die Bundesagentur für Arbeit führt inzwischen 183 von 522 Berufsgruppen als Engpassberufe. Betroffen sind längst nicht nur akademische Profile, sondern gerade auch Facharbeiter mit abgeschlossener Berufsausbildung: Schweißer, Elektriker, Anlagenmechaniker, Staplerfahrer, Produktionsfachkräfte.
Der demografische Hintergrund verschärft die Lage dauerhaft. Bis 2036 gehen rund 16,5 Millionen Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in Rente, während nur etwa 12,5 Millionen jüngere Arbeitskräfte nachrücken. Diese Lücke lässt sich innerhalb Deutschlands rechnerisch nicht schließen.
Dass der Weg über die Grenze funktioniert, zeigt die Beschäftigungsstatistik: Im Juni 2025 waren rund 420.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit einer Aufenthaltserlaubnis zu Erwerbszwecken in Deutschland tätig – die Erwerbsmigration hat sich seit 2020 mehr als verdoppelt. Hinzu kommen Arbeitskräfte aus EU-Staaten, die gar keinen Aufenthaltstitel benötigen und in dieser Zahl nicht auftauchen.
Für Betriebe, die diesen Weg zum ersten Mal gehen, wirkt die Vermittlung ausländischer Fachkräfte zunächst wie ein undurchsichtiger Prozess. Tatsächlich folgt sie einer klaren Abfolge von sechs Schritten, die sich – je nach Herkunftsland – nur an einer Stelle wesentlich unterscheiden.
Schritt eins: Bedarfsanalyse und Anforderungsprofil
Jede Vermittlung ausländischer Fachkräfte beginnt mit einer Frage, die überraschend oft unscharf beantwortet wird: Was genau wird gebraucht? Nicht nur die Berufsbezeichnung, sondern Qualifikationsnachweise, Sprachniveau, Schichtbereitschaft, Einsatzdauer und die Frage, ob eine einzelne Kraft oder ein komplettes Team gesucht wird.
Gerade beim Sprachniveau lohnt sich Ehrlichkeit statt Maximalforderung. Für viele gewerbliche Tätigkeiten reichen Grundkenntnisse aus, sofern Sicherheitsunterweisungen sicher verstanden werden. Wer dagegen pauschal B2 verlangt, verkleinert den infrage kommenden Kreis erheblich, ohne dass die Position es fachlich erfordert.
Ebenso wichtig ist die Vorlaufzeit. Zwei bis drei Wochen zwischen Anfrage und erstem Arbeitstag sind bei EU-Fachkräften realistisch, wenn Auswahl, Anreise und Unterbringung parallel organisiert werden. Wer eine bekannte Saisonspitze erst kurz vor Beginn meldet, konkurriert dagegen mit allen anderen Betrieben, die dasselbe tun.
Schritt zwei: Vorauswahl und Prüfung der Qualifikationen
Auf Basis des Anforderungsprofils erfolgt die Vorauswahl aus dem Kandidatenpool. Bei einem eingespielten Personaldienstleister entfällt an dieser Stelle die Suche von null an – ein wesentlicher Teil des Zeitgewinns gegenüber der Direktsuche entsteht genau hier.
Geprüft wird dabei mehr als der Lebenslauf. Zertifikate wie Schweißerprüfungen nach geltenden Normen, Staplerscheine oder Nachweise über Elektrofachkraft-Qualifikationen werden auf Gültigkeit und Übertragbarkeit kontrolliert. Referenzen aus früheren Einsätzen werden direkt bei den angegebenen Ansprechpartnern verifiziert, statt sich auf schriftliche Zeugnisse zu verlassen.
Für Ihr Unternehmen bedeutet diese Vorprüfung, dass nur bereits gefilterte Profile in die finale Entscheidung gelangen. Der Aufwand für Ihre Fachabteilung reduziert sich damit auf die Beurteilung weniger, tatsächlich passender Kandidaten. Genau das unterscheidet eine begleitete Personalvermittlung aus dem Ausland von einer Kontaktliste – wie dieser Ablauf im Detail aussieht, beschreiben wir auf unserer Seite zur Vermittlung von Personal für deutsche Unternehmen.
Schritt drei: EU oder Drittstaat – hier trennen sich die Wege
An diesem Punkt unterscheidet sich der weitere Ablauf grundlegend, je nach Herkunftsland der Fachkraft.
Für Arbeitskräfte aus Osteuropa innerhalb der EU – aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Rumänien oder Kroatien – gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Es braucht keine Arbeitserlaubnis, kein Visum und in den meisten gewerblichen Berufen auch keine formale Anerkennung des Abschlusses. Organisatorisch bleibt im Wesentlichen die A1-Bescheinigung zum Nachweis der Sozialversicherung sowie die Anmeldung beim zuständigen Meldeportal.
Bei Drittstaatsangehörigen kommt der gesamte aufenthaltsrechtliche Apparat hinzu: Antrag bei der deutschen Auslandsvertretung, Vorabzustimmung der Ausländerbehörde, Einreise mit nationalem Visum und dessen spätere Umwandlung in einen regulären Aufenthaltstitel. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat die Hürden gesenkt und lässt inzwischen auch mehrjährige einschlägige Berufserfahrung anstelle eines formalen Abschlusses gelten – die Verfahrensdauer summiert sich aber weiterhin auf Wochen bis Monate.
| EU-Staaten | Drittstaaten | |
|---|---|---|
| Arbeitserlaubnis | nicht erforderlich | erforderlich |
| Visumsverfahren | entfällt | Antrag bei der Auslandsvertretung |
| Anerkennung des Abschlusses | in gewerblichen Berufen meist entbehrlich | je nach Beruf zwingend |
| Sozialversicherung | A1-Bescheinigung | reguläre Anmeldung nach Einreise |
| Realistische Vorlaufzeit | zwei bis drei Wochen | mehrere Wochen bis Monate |
Praktisch heißt das: Wer kurzfristig Kapazität braucht, findet die schnellere Lösung fast immer innerhalb der EU. Für langfristig geplante Besetzungen seltener Spezialprofile kann der Weg über Drittstaaten dagegen sinnvoll sein.
Schritt vier: Das passende Einsatzmodell festlegen
Parallel zur Auswahl wird geklärt, in welcher Form die Fachkraft eingesetzt wird – und das ist keine reine Formalie, sondern bestimmt Haftung, Weisungsrecht und Kostenstruktur.
Bei der Arbeitnehmerüberlassung bleibt die Fachkraft als Leiharbeiter beim Personaldienstleister angestellt und wird für die vereinbarte Dauer an Ihr Unternehmen überlassen. Die fachliche Weisung liegt bei Ihnen, die arbeitsrechtliche Verantwortung – Lohnabrechnung, Sozialversicherung, tarifliche Vorgaben – beim Verleiher. Voraussetzung ist eine gültige Verleiherlaubnis nach dem AÜG, die Sie sich vor dem ersten Auftrag zeigen lassen sollten. Auf unserer Seite zur Überlassung von Personal nach dem AÜG ist dieses Modell im Detail erklärt.
Die Zeitarbeit eignet sich überall dort, wo die Fachkraft in bestehende Abläufe und Schichtpläne eingebunden wird – im Lager, in der Produktion, in der Instandhaltung. Für klar abgegrenzte Gewerke im Bau- und Industriebereich, bei denen ein eigenständiges Team ein definiertes Ergebnis liefert, kommen dagegen andere Vertragsformen infrage.
Der Unterschied zur reinen Personalvermittlung liegt darin, wer am Ende Arbeitgeber ist: Bei der Direktvermittlung schließt Ihr Unternehmen den Arbeitsvertrag selbst ab, bei der Arbeitnehmerüberlassung bleibt der Dienstleister in der Rolle des Arbeitgebers. Beide Wege haben ihre Berechtigung – die Wahl hängt davon ab, ob Sie dauerhaft besetzen oder flexibel bleiben wollen.
Auch die Kombination ist üblich: Der Einstieg erfolgt über einen befristeten Einsatz, eine spätere Übernahme in Festanstellung bleibt möglich. So lässt sich die Passung im echten Arbeitsalltag prüfen, statt sie im Auswahlverfahren zu erraten.
Schritt fünf: Anreise, Unterbringung und Formalitäten
Zwischen Zusage und erstem Arbeitstag liegt der organisatorische Teil, an dem viele Eigenversuche scheitern. Anreise, Unterkunft in vertretbarer Entfernung zum Einsatzort, Anmeldung, Sozialversicherungsnachweise und – bei Bedarf – Fahrgemeinschaften zur Schicht müssen koordiniert sein, bevor die Fachkraft eintrifft.
Bei einer Vermittlung über einen Personaldienstleister liegen diese Aufgaben vollständig beim Vermittler – bei der Arbeitnehmerüberlassung ohnehin, da die Fachkraft dort formal beim Verleiher angestellt bleibt. Für Sie bleibt die fachliche Einweisung vor Ort und die Integration ins Team. Gerade Betriebe ohne eigene Personalabteilung entlastet das spürbar, weil kein interner Aufwand für Behördengänge und Wohnungssuche entsteht.
Ein Punkt, der in der Praxis über den Erfolg entscheidet: die Unterbringung. Fachkräfte, die nach der Schicht 60 Kilometer zurücklegen müssen, halten selten lange durch. Wer die Unterkunft in Betriebsnähe organisiert, senkt die Abbruchquote deutlich.
Schritt sechs: Einarbeitung und Betreuung während des Einsatzes
Die ersten Tage entscheiden darüber, wie schnell die Fachkraft produktiv wird. Bewährt hat sich ein fester Ansprechpartner im Betrieb sowie eine strukturierte Einweisung in Abläufe, Sicherheitsvorschriften und verwendete Systeme – auch bei erfahrenen Kräften, weil sich Betriebsstandards von Haus zu Haus unterscheiden.
Sprachlich hilft in der Anfangsphase, wenn mindestens eine Person im Team dolmetschen kann. In Betrieben mit mehreren Mitarbeitern aus Polen und Osteuropa entsteht diese Struktur meist von selbst; bei Einzeleinsätzen lohnt es sich, das aktiv einzuplanen.
Während des Einsatzes bleibt der Personaldienstleister Ansprechpartner für beide Seiten – bei Fragen zur Abrechnung ebenso wie bei Anpassungen der Einsatzdauer oder kurzfristiger Aufstockung, wenn ein Auftrag größer ausfällt als geplant. Wie sich das etwa im gewerblichen Bereich auswirkt, zeigt unser Beitrag zur kurzfristigen Verstärkung im Lager.
In welchen Branchen die Personalvermittlung aus dem Ausland am häufigsten genutzt wird

Der größte Bedarf besteht dort, wo körperlich anspruchsvolle Arbeit im Schichtbetrieb auf einen ausgedünnten inländischen Arbeitsmarkt trifft. In Produktion und Fertigung betrifft das Produktionshelfer, Maschinenbediener und Fachkräfte für Anlagenführung. In Logistik und Lager sind es Kommissionierer, Staplerfahrer und Lagerkräfte, die häufig als Leiharbeiter über die Zeitarbeit eingesetzt werden.
Im Baugewerbe und Handwerk konzentriert sich die Nachfrage auf Maurer, Dachdecker, Gerüstbauer und Elektriker – Berufe, in denen die Ausbildungszahlen in Deutschland seit Jahren rückläufig sind. In der Industrie sind Schweißer mit gültigen Prüfungen nach geltenden Normen sowie Schlosser und Monteure besonders gefragt.
Hinzu kommen technische Fachkräfte: Ingenieure, Techniker und IT-Spezialisten, bei denen die Besetzungsdauer im Inland regelmäßig mehrere Monate übersteigt. Welche Besonderheiten dort gelten, haben wir im Beitrag zur Gewinnung von Ingenieuren aus dem Ausland beschrieben.
Sie suchen Fachkräfte aus Polen und Osteuropa für Produktion, Logistik, Bau oder Industrie? Wir übernehmen Auswahl, Verträge und Organisation – Sie geben nur das Anforderungsprofil vor.
Woran Sie einen verlässlichen Partner erkennen
Zwei Nachweise beantworten die meisten Fragen bereits vor Vertragsschluss. Erstens die Verleiherlaubnis nach dem AÜG, hinterlegt bei der Bundesagentur für Arbeit – ein seriöser Anbieter nennt die Nummer ohne Rückfrage. Zweitens eine schriftliche Kostenaufstellung vor Vertragsschluss, in der Vermittlungsgebühr, Stundensatz und optionale Zusatzleistungen getrennt ausgewiesen sind.
- Verleiherlaubnis nach dem AÜG wird auf Nachfrage sofort genannt
- Schriftliche Kostenaufstellung liegt vor Vertragsschluss vor
- Eigene Strukturen im Herkunftsland statt weitergereichter Profile
- Fester Ansprechpartner auch während des laufenden Einsatzes
- Referenzen aus vergleichbaren Branchen sind nachprüfbar
Aussagekräftig ist außerdem, ob der Anbieter eigene Strukturen im Herkunftsland unterhält oder lediglich Profile weiterreicht. Ein eigener Standort vor Ort bedeutet direkten Kontakt zu Kandidaten, eigene Vorauswahl und kürzere Reaktionszeiten – bei Zeitpersonal ist das der Standort Wrocław, ergänzend zur Zentrale in Köln. Genau diese Doppelstruktur macht die Personalvermittlung nach Deutschland planbar, statt sie von externen Zulieferern abhängig zu machen.
Nicht zuletzt zählt die Erreichbarkeit während eines laufenden Einsatzes. Ein fester Ansprechpartner, der bei kurzfristigen Änderungen innerhalb weniger Stunden reagiert, unterscheidet einen Partner von einem reinen Vermittler – und macht sich spätestens dann bemerkbar, wenn ein Einsatz nicht wie geplant verläuft.