Wer ab März Freiflächenanlagen und gewerbliche Dachanlagen montieren will, muss die Besetzung schon im Winter festlegen. Der PV-Markt verlagert sich vom Einfamilienhausdach auf Großprojekte, und dort genügt kein einzelner Solarteur mehr. Benötigt werden komplette Montagekolonnen mit Elektrofachkraft, Monteuren und Montagehelfern, bei Dachdurchdringungen zusätzlich mit einem Dachdecker. In einer Umfrage unter Installationsbetrieben in Baden-Württemberg gab rund die Hälfte an, auch Helfer oder kurzfristige Unterstützung einsetzen zu wollen. Dieser Beitrag zeigt, welche Rollen auf der PV-Baustelle tatsächlich knapp sind, welche Regelwerke für Dach und Elektrik gelten und wie sich Kolonnen aus Polen und Osteuropa rechtssicher einbinden lassen.

Weniger Anlagen, dafür größere – was sich am PV-Markt ändert

Die Bundesnetzagentur weist für das erste Halbjahr 2026 einen Nettozubau von 7.394,4 MW aus, praktisch gleichauf mit den 7.407 MW des Vorjahreszeitraums. Hinter dieser stabilen Leistung steht ein Rückgang neu registrierter Anlagen um 18 Prozent. Rechnerisch entfällt damit auf jede neue Anlage deutlich mehr Leistung als ein Jahr zuvor. Das Eigenheim hat als Treiber an Gewicht verloren: BSW-Solar meldet für Einfamilienhäuser ein Minus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während Freiflächenanlagen, gewerbliche Dachanlagen und Agri-PV zulegen.

Für Installationsbetriebe ändert sich dadurch das Auftragsprofil grundlegend. Statt vieler kurzer Einsätze auf Wohnhausdächern stehen wenige Baustellen an, die über Wochen laufen. Wer seine Kapazität bisher über die Zahl paralleler Kleinbaustellen gesteuert hat, muss nun Mannschaftsstärke für ein einzelnes Großprojekt vorhalten. Auf einem Logistikhallendach oder einer Freifläche erreichen die Mann-Tage eine Größenordnung, die ein kleines Stammteam allein nicht abdeckt: Tausende Module müssen in festem Takt entladen, verteilt und montiert werden, und fällt ein Trupp aus, stockt die gesamte Folgekette.

Der Bedarf ist dabei planbar, aber stark gebündelt. Aus Modulzahl, Unterkonstruktion und Anschlusstermin lässt er sich recht genau ableiten – er fällt jedoch konzentriert in wenigen Wochen an, und er läuft gegen fixe Termine. Der Netzanschluss ist mit dem Netzbetreiber terminiert, Investoren haben häufig Stromabnahmeverträge mit festem Lieferbeginn unterschrieben, bei Agri-PV gibt zusätzlich der Bewirtschaftungskalender vor, wann die Fläche befahren werden darf. Kran, Teleskoplader und Modulanlieferung sind in engen Slots gebucht, sodass jeder Verzugstag Standgeld für Geräte und Logistik verursacht. EPC-Unternehmen fragen bei der Vergabe deshalb gezielt nach, wie viele Monteure ein Betrieb zum Stichtag verbindlich stellen kann.

Den Rahmen setzt das EEG-Ziel von 215 GW installierter Leistung bis 2030, von dem Ende 2025 rund 55 Prozent erreicht waren. Der Ausbaupfad bleibt damit gesetzlich fixiert, auch wenn einzelne Segmente schwanken. BSW-Solar beziffert den zusätzlichen Bedarf an Fachkräften für die Solarbranche auf mindestens 60.000 qualifizierte Kräfte, während die Ausbildungskapazitäten nur etwa 60 Prozent davon abdecken. Welche Profile wir für diesen Markt vermitteln, zeigt unsere Seite zur Personalvermittlung für die Solarbranche.

Wer auf der PV-Baustelle wirklich gebraucht wird

Auf einer Photovoltaik-Baustelle arbeiten mehrere Gruppen nebeneinander, deren Qualifikationsanforderungen weit auseinanderliegen – und genau diese Spreizung wird bei der Personalsuche oft übersehen.

Rolle Typische Tätigkeiten Voraussetzung
Elektrofachkraft DC- und AC-Verkabelung, Wechselrichter, Netzanschluss, Messung und Inbetriebnahme Elektrotechnische Ausbildung, Betrieb im Installateurverzeichnis eingetragen
Solarteur / Monteur Unterkonstruktion setzen, Module montieren und klemmen, Stringleitungen verlegen Handwerkliche Ausbildung oder mehrjährige PV-Praxis, Höhentauglichkeit
Montagehelfer Materialtransport, Modulhandling, Vorsortieren von Schienen und Klemmen, Baustellenlogistik Unterweisung, PSA gegen Absturz, körperliche Belastbarkeit
Dachdecker Dachhaken und Durchdringungen, Abdichtung, Anschlüsse an vorhandene Dachhaut Ausbildung im Dachdeckerhandwerk
Gerüstbauer Treppentürme und Materialaufzüge stellen und nach Abnahme rückbauen Ausbildung im Gerüstbauhandwerk

In der Phase der Unterkonstruktion arbeiten vor allem Monteure und Helfer: Auf der Freifläche setzen sie Rammpfosten und montieren Modultische, auf Flachdächern legen sie Ballastsysteme aus, auf Trapezblech verschrauben sie Schienen. Die Modulmontage bindet die meisten Hände, weil großformatige Module zu zweit gehoben und im Takt weitergereicht werden. Bei der DC-Verkabelung verlegen Monteure Stringleitungen entlang der Tische, während die Elektrofachkraft Belegung und Polarität prüft; der AC-Anschluss mit Wechselrichter, Unterverteilung und Übergabepunkt liegt vollständig in ihrer Hand.

Das Mengenverhältnis folgt auf Gewerbedächern und Freiflächen einem wiederkehrenden Muster. Monteure und Helfer stellen die klare Mehrheit der Mannschaft, Elektrofachkräfte bilden eine kleine Kernbesetzung – häufig betreut eine Elektrofachkraft mehrere Montagetrupps parallel und ist erst bei DC-Prüfung und AC-Anschluss dauerhaft präsent. Dachdecker und Gerüstbauer sind meist nur tageweise gebunden, zu Beginn und am Ende des Projekts. Jeder Trupp braucht zusätzlich einen Vorarbeiter, der den Tagesabschnitt zuweist und den Materialabruf steuert.

Für die Personalvermittlung bedeutet das: Angefragt wird nicht pauschal „Personal für PV”, sondern eine nach Bauphasen gestaffelte Besetzung mit benannten Rollen sowie Einsatzbeginn und Einsatzdauer je Gewerk. Für die Dachanschlüsse greifen wir dabei auf denselben Pool zurück wie bei der Vermittlung von Dachdeckern für Bauprojekte.

Warum Montagehelfer oft schneller entlasten als Elektriker

Arbeiter montieren gemeinsam Solarmodule auf einer großen Freiflächenanlage

Elektriker sind der knappste Engpass auf dem PV-Markt. Die Wartezeit auf Elektroarbeiten ist zeitweise von zwei bis drei Monaten auf bis zu fünf Monate gestiegen, und um dieselben Köpfe konkurrieren Wärmepumpeninstallateure, Gebäudetechniker und Netzbetreiber. Wer eine zusätzliche Elektrofachkraft sucht, plant mit einer Suche über mehrere Monate – die Auftragslage kann sich in dieser Zeit längst verschoben haben.

Der überwiegende Teil der Arbeitsstunden auf einer PV-Baustelle entfällt jedoch auf mechanische Tätigkeiten, die ein eingewiesener Helfer unter Aufsicht übernehmen kann: Materialfluss, Modulhandling, Vormontage von Schienen, Aufräumen der Reihen nach jedem Abschnitt.

In vielen Betrieben packen Elektriker bei diesen Arbeiten mit an, weil sonst niemand verfügbar ist. Jede Stunde am Modulstapel fehlt dann bei Stringprüfung, Wechselrichterkonfiguration oder Messprotokoll – der Inbetriebnahmetermin rutscht nach hinten, obwohl die Elektrokapazität formal ausreichen würde. Zeitarbeit setzt genau hier an: Zusätzliche Helfer übernehmen den mechanischen Anteil, und die vorhandene Elektrofachkraft arbeitet wieder ausschließlich an stromführenden Komponenten. Der Betrieb gewinnt so Elektrokapazität, ohne einen einzigen Elektriker neu einzustellen.

Eine Umfrage des PV-Netzwerks Baden-Württemberg belegt diese Lücke: 82 Prozent der Installationsbetriebe leiden unter Personalmangel, und etwa die Hälfte würde auch Helfer oder kurzfristige Unterstützung einsetzen. Bemerkenswert daran ist, dass die Debatte über den Fachkräftemangel in der Solarbranche fast ausschließlich über Elektriker und zertifizierte Solarteure geführt wird – während die Betriebe selbst längst weiter denken.

Helfer brauchen keine mehrjährige Ausbildung, sondern eine tätigkeitsbezogene Einweisung vor Ort: Modulhandling ohne Mikrorisse, Umgang mit Akkuschrauber und Drehmomentschlüssel, Abfolge im Montagetakt. Erfahrung aus Hochbau, Logistik oder Metallverarbeitung verkürzt diese Phase spürbar, weil Materialdisziplin und Baustellenroutine bereits vorhanden sind. Bewährt hat sich, jeden neuen Helfer in den ersten Tagen einem erfahrenen Monteur fest zuzuordnen, der Arbeitsschritte vorgibt und die Ausführung abzeichnet.

Ein Nebeneffekt, den Betriebe unterschätzen: Aus eingearbeiteten Montagehelfern werden nach zwei, drei Saisons oft Monteure, die Unterkonstruktionen selbstständig setzen. Wer heute Helfer aufbaut, löst nicht nur die Spitze dieser Saison, sondern qualifiziert sich mittelfristig eigenes Personal – deutlich schneller als über den leergefegten Markt für fertige Solarteure.

Kolonne für die kommende Montagesaison? Wir stellen Montagehelfer, Monteure und Elektriker aus Polen und Osteuropa zusammen – als Team, nicht als Einzelprofile.

Elektroarbeiten und Dachmontage – zwei Gewerke, zwei Regelwerke

Dachdecker und Elektrofachkraft arbeiten getrennt an der Montage und dem Anschluss einer Photovoltaikanlage auf einem Gewerbedach

Seit dem Abgrenzungsleitfaden 2025 zählt die Montage von PV-Anlagen unabhängig von der Befestigungsart zum Dachdeckerhandwerk. Anschluss, Schutztechnik und Netzeinspeisung bleiben dagegen dem Elektrohandwerk vorbehalten. Auf demselben Dach arbeiten damit zwei Teams nach getrennten Vorschriften und mit eigenen Qualifikationsnachweisen.

Elektrische Arbeiten an einer PV-Anlage darf nur eine Elektrofachkraft im Sinne der DGUV Vorschrift 3 ausführen oder verantwortlich leiten; elektrotechnisch unterwiesene Personen dürfen unter ihrer Leitung festgelegte Tätigkeiten übernehmen. Technische Grundlage der Errichtung ist die DIN VDE 0100-712 für PV-Stromversorgungssysteme, für den Anschluss an das Niederspannungsnetz gilt die VDE-AR-N 4105. Vor der Inbetriebnahme werden nach DIN EN 62446-1 je String Isolationswiderstand, Leerlaufspannung, Kurzschlussstrom und Polarität gemessen und protokolliert.

Eine Besonderheit der DC-Seite: Module sind bei Tageslicht nicht spannungsfrei schaltbar, weshalb eigene Schutzmaßnahmen nötig sind – Abdecken oder Arbeiten ausschließlich an getrennten Steckverbindungen. Den Netzanschluss selbst darf nur ein Betrieb herstellen, der im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist; in fremden Netzgebieten verlangen viele Netzbetreiber zusätzlich eine Gastanmeldung. Zusätzliche Elektriker und Elektrofachkräfte aus Osteuropa arbeiten deshalb in der Regel als Leiharbeiter im eingetragenen Betrieb, unter dessen fachlicher Verantwortung und Dokumentation.

Auf dem Dach regeln die ASR A2.1, die DGUV Information 201-054 für Dach-, Zimmer- und Holzbauarbeiten sowie die DGUV Regel 112-198 zur persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz die Sicherung. Vorrang haben kollektive Maßnahmen wie Seitenschutz, Dachfanggerüst oder Auffangnetze; PSA mit geprüften Anschlagpunkten ist nur dort zulässig, wo solche Maßnahmen technisch nicht umsetzbar sind. Nicht durchsturzsichere Lichtkuppeln und Lichtbänder auf Gewerbedächern müssen vor Arbeitsbeginn mit Gittern, Netzen oder Abdeckungen gesichert werden, und jeder Mitarbeiter erhält vor dem ersten Einsatz eine dokumentierte Unterweisung zu Rettungskonzept, Anschlagpunkten und Laufwegen.

Wer haftet, wenn nach der Abnahme etwas nicht stimmt?

Jedes Gewerk haftet für seinen eigenen Leistungsteil – deshalb muss der Vertrag die Schnittstellen genau benennen. Typische Grenzlinien sind die Dachdurchdringung, der Übergang von der Unterkonstruktion zur Modulebene und der Generatoranschlusskasten. Dringt nach dem ersten Starkregen Wasser ein, klärt erst die Dokumentation der Durchdringungen, ob die Abdichtung vom Dachdecker oder vom Montagetrupp stammt. Elektroseitig belegen das Prüfprotokoll nach DIN EN 62446-1 und die Inbetriebnahmemeldung an den Netzbetreiber, dass die Anlage bei der Übergabe fehlerfrei war.

Ist die Anlage als Bauwerk einzuordnen, verjähren Mängelansprüche erst fünf Jahre nach der Abnahme – der Bundesgerichtshof hat diese Einordnung für eine Aufdachanlage bereits bejaht. Eine Teilabnahme je Gewerk mit Fotodokumentation vor dem Wechsel zum nächsten Team sichert die Zuordnung ab. Für die Tragfähigkeit des Daches braucht es vor Montagebeginn einen statischen Nachweis durch den Auftraggeber oder einen beauftragten Tragwerksplaner; ohne diesen Nachweis trägt der Montagebetrieb ein Risiko außerhalb seiner Fachkompetenz. Auf Gewerbedächern müssen außerdem die Brandschutzabstände zu Brandwänden im Belegungsplan feststehen, bevor das erste Modul gesetzt wird.

Praxistipp: Klären Sie die Gewerkezuordnung vor der Anfrage, nicht bei der Vertragsgestaltung. Ein Projekt mit Dachdurchdringung, Modulmontage und Netzanschluss berührt drei Regelwerke gleichzeitig – wer das erst beim Vertragsentwurf auseinandersortiert, verliert Wochen in der Saison.

Was Montagekolonnen aus Polen und Osteuropa leisten

Eingespielte Kolonnen aus Polen, Tschechien oder Rumänien haben oft schon auf mehreren Freiflächen- und Hallendachprojekten in verschiedenen EU-Ländern gearbeitet. Sie reisen als feste Einheit mit Vorarbeiter, eigenem Transporter und eigenem Werkzeug an, von Akkuschraubern bis zu kalibrierten Drehmomentschlüsseln. Weil die Handgriffe innerhalb des Trupps eingeübt sind, beschränkt sich die Einweisung auf baustellenspezifische Punkte wie Belegungsplan, Lagerfläche und Laufwege.

Vergleichbar wird das Angebot über die Tagesleistung in Modulen pro Trupp, die der Anbieter mit konkreten Referenzprojekten belegen sollte. Referenzen prüft man am besten telefonisch beim früheren Auftraggeber und fragt dort nach Nacharbeit, Termintreue und Befunden aus Elektrolumineszenz-Prüfungen. Mindestens der Vorarbeiter muss Deutsch oder Englisch sicher genug beherrschen, um Unterweisungen, Montageanleitungen und Änderungen des Bauleiters verlässlich an den Trupp weiterzugeben. Für Solarmonteure aus Polen sollten vor Einsatzbeginn Nachweise zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Absturzgefahr und gültige Bedienberechtigungen für Teleskoplader vorliegen.

Rechtlich stehen drei Modelle mit unterschiedlicher Weisungskette zur Wahl, und eine seriöse Personalvermittlung benennt das gewählte Modell vor Vertragsschluss. Bei der Arbeitnehmerüberlassung nach dem AÜG stellt ein Verleiher mit gültiger Erlaubnis Leiharbeiter, die der Einsatzbetrieb selbst anweist – die Arbeitnehmerüberlassung ist damit das Modell mit der kürzesten Weisungskette und der einfachsten Aufstockung im laufenden Projekt. Gilt die Dachmontage als Tätigkeit des Dachdeckerhandwerks, können für diese Form der Zeitarbeit die Beschränkungen des Paragrafen 1b AÜG greifen, während Elektroarbeiten und Freiflächenanlagen anders zu bewerten sein können und im Einzelfall zu prüfen sind – wie diese Abgrenzung in der Praxis funktioniert, haben wir im Beitrag zu Dachdeckern aus Polen für deutsche Bauunternehmen beschrieben.

Ein Subunternehmer aus Osteuropa übernimmt dagegen per Werkvertrag ein abgegrenztes Gewerk, etwa die Modulmontage eines Bauabschnitts, und steuert seine Leute ausschließlich über den eigenen Vorarbeiter. Entsendet eine ausländische Firma ihre Mitarbeiter, belegt die A1-Bescheinigung die Sozialversicherung im Heimatland; der deutsche Mindestlohn und die Anmeldung über das Meldeportal-Mindestlohn des Zolls vor Einsatzbeginn gelten trotzdem. Nach Paragraf 14 AEntG haftet der Auftraggeber wie ein Bürge für die Mindestlöhne beim Subunternehmer, und ohne Freistellungsbescheinigung nach Paragraf 48b EStG muss er 15 Prozent der Rechnungssumme als Bauabzugsteuer einbehalten.

Die Grenze zur verdeckten Überlassung ist schnell überschritten: Sie ist erreicht, sobald der Bauleiter einzelnen Kolonnenmitgliedern direkt Arbeit zuweist oder Einzelpersonen als Solo-Gewerbetreibende auf Stundenbasis abrechnen. Dann drohen Scheinselbstständigkeit, Beitragsnachforderungen und die Fiktion eines Arbeitsverhältnisses mit dem Einsatzbetrieb.

Im Winter planen, ab März montieren

Die Montagesaison auf Dächern und Freiflächen beginnt in der Regel im März, sobald Frost, Nässe und kurze Tage die Arbeitszeit nicht mehr ständig beschneiden. Über die Besetzung dieser Saison entscheiden Betriebe jedoch zwischen November und Februar – in diesen Monaten sind Kolonnen, Vorarbeiter und Leiharbeiter noch frei disponierbar.

Ausgangspunkt ist der Auftragsbestand zum Jahresende: Unterschriebene Projekte zählen voll, Angebote in der Endverhandlung gehen mit ihrer Abschlusswahrscheinlichkeit gewichtet ein. Daraus entsteht eine Kapazitätskurve je Kalenderwoche, die zeigt, ab wann das Stammteam nicht mehr reicht und wie viele Mitarbeiter fehlen. Diese Lücke geht bis Mitte Januar als Anfrage an die Personalvermittlung, verbunden mit einem Rahmenvertrag über feste Startwochen und eine Abrufoption für spätere Aufstockungen. Der Februar bleibt für Schulungen, die in der Saison Montagetage kosten würden – etwa Anschlägerlehrgänge für Kranhübe und die Ausbildung zusätzlicher Ersthelfer, von denen die DGUV Vorschrift 1 auf Baustellen zehn Prozent der Versicherten verlangt. In Bundesländern mit Solarpflicht bei Dachsanierungen von Bestandsgebäuden kommen Sanierungsaufträge hinzu, die im selben Frühjahrsfenster starten sollen.

Späte Planung scheitert zuerst an der Verfügbarkeit. Eingespielte Kolonnen sind ab Ende Februar häufig bis in den Sommer verplant, kurzfristig angebotene Teams sind oft neu zusammengestellt, und Subunternehmer mit eigener Mannschaft nehmen im Frühjahr meist nur noch Restkapazitäten an. Auf Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entfallen rund 55 Prozent der Personalgesuche der Branche, sodass sich die Konkurrenz um freie Monteure dort zusätzlich ballt.

Fehlt die Mannschaft zum Montagestart, verschiebt sich der gesamte Bauablauf, weil Dachdecker, Elektrofachkraft und Kran in den Folgewochen bereits für andere Projekte gebucht sind. Generalunternehmer vereinbaren für Fertigstellungstermine häufig Vertragsstrafen je Werktag, die in Allgemeinen Geschäftsbedingungen bis zu fünf Prozent der Auftragssumme zulässig sind – genug, um die Marge eines Montageauftrags vollständig aufzuzehren. Dieselbe Erfahrung kennen Betriebe aus der Haustechnik, wo wir sie im Beitrag zum Fachkräftemangel bei Heizungstechnikern beschrieben haben: Der Bedarf ist planbar, nur die Beschaffung wird es nicht, wenn man zu spät anfängt.

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